best before | Mario Weinberg

Mario Weinberg
best beforeDie Malerei soll in einer spannungsvollen Schwebe bleiben – zwischen einem Objekt, das sich aus dem Kontext heraushebt, und einem bewussten Gegenangriff, der dieses Erscheinen wieder vereitelt. Dieses grundsätzliche Interesse Mario Weinbergs an einer Kontextabhängigkeit von Bildelementen eint als malerische Reflexion über die eigenen künstlerischen Mittel seine unterschiedlichen Bildserien: Das Neuaufspannen und Erweiterung der Bildfläche auf der Leinwand wie auch die gestische Hervorbringung von körper- oder schriftgleichen Elementen im Bild treffen sich im reflexiven Umgang mit Formen der Rahmung und innerbildlichen Wechselwirkung.

Zur Erprobung dieser Formen geht Weinberg über den bloßen Farbauftrag hinaus. So erzeugt er eine Art Clash von Kompositionen, indem er zwei Leinwände gleichen Formats nach dem Zufallsprinzip verband. Das Interesse an einer Zusammenschau von Unverbundenem geht auf Weinbergs mehrjährigen Aufenthalt in Shanghai und der dort stark erfahrbaren Koexistenz von Gegensätzen und Widersprüchen zurück. Aus dem Gedanken der Wiederverwendung alter
Leinwandreste mithilfe einer Nähmaschine wurde schließlich der entscheidende Schritt, die Bildflächen fest zu verbinden, die Einheit des Sichtbaren noch stärker zu betonen. Die schon in früheren Malereien eingesetze Strategie des freigelassenen Randes als Rahmen, übersetzt er damit von der malerischen Geste in die mediale Beschaffenheit der Leinwand: Der den Keilrahmen umspannende Stoff wird wieder geglättet und als Rahmung Teil des Bildes.
Hiermit vollzieht Weinberg eine Doppelbewegung: zum einen besinnt er sich auf die traditionelle Tafelbildmalerei, zum anderen überschreitet er ihre Grenzen. Indem er in seinen neuesten Arbeiten über den Rand der Leinwandfläche hinausgeht, denkt er den bespannten Träger als Körper mit Haut. Diese Haut ist ihm wiederum ein geschlossenes Bild, das er in der Umarbeitung des Stoffes auf einen neuen Keilnahmen auch als einheitliches, planes Bild sichtbar macht. Auf der neuen Leinwand erweitern die weiße Grundierung der Rahmenseiten und der ungrundierte, ursprünglich rückseitige Stoff die vormals geschlossene Leinwandfläche. Bildreflexivität als Thematisierung der medialen Form und Bildexpansion als Erweiterung der traditionellen Tafelbildmalerei sind untrennbar verbunden. Weinberg entgrenzt das Medium, ohne es aber letztendlich zu verlassen.
Aussagen will er in seinen Malereien nicht durch die dargestellten Dinge treffen, sondern mit der malerischen Geste selbst, die durch Bildobjekte transformiert wird. Was auf der Leinwand erscheint, ist also nicht etwas, das die Objekte durch ihre malerische Wiedergabe transformiert, sondern vielmehr etwas, das der malerische Geste selbst widerfährt. Ein wiederkennendes Sehen von Formen und Zeichen spielt er dabei immer wieder gegen die reine Sensation von Farbe und Gestus aus. Ist der Pinselstrich nicht mehr nur Mittel zum Abstrahieren eines Gegenstandes, rückt er in die Nähe der Schrift, so Weinbergs Verständnis seiner Tätigkeit. Es entstehen schriftähnliche Bildelemente, die er bewusst durch Gestus und Reihung der Formen an die Grenze einer Lesbarkeit heranführt. Taucht Körperhaftes oder gar Figuratives in den Malereien auf, geht dies auf gezielt gesetzte Schatten und Freilassungen zurück, die den Formen Plastizität verliehen, ohne sie zu konkreten Gegenständen werden zu lassen. Weinbergs Ausgangspunkt ist das Abstrakte und nicht das Abstrahieren.Eröffnung:  22.3.2018, 18.00 Uhr
Ausstellung vom 23. -25.3.2018

Öffnungszeiten 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr
Ausstellung in der Galerie erstererster
erstererster – Raum für Kunst und Design
Galerie | Pappelallee 69 | 10437 Berlin
Anfahrt
S 41 | S 42 | S8 | S85 Schönhauser Allee
U2 Eberswalder Straße | Tram M1 Milastraße | Tram 12 Raumerstraße