Drei Werkszyklen zur Gesellschaftskritik – Frederic Writer

Berlin, 10. Juli 2017 – Gesellschaftskritik kann viele Formen annehmen. In drei Werkszyklen beschäftigt sich Frederic Writer daher mit (I) der Verletzlichkeit der Demokratie und ihrer Institutionen im Zeitalter des Populismus, (II) der Selbstvermarktung des Einzelnen im neo-liberalen und post-digitalen Zeitalter und (III) dem Schicksal der Schwächsten im weltpolitischen Streben der Hegemonialmächte. Das verbindende Element aller Arbeiten ist die Suche des Künstlers nach persönlicher Selbstverortung in der heutigen Gesellschaft – ein kontinuierlicher Balanceakt und eine fortdauernde Transformation ohne absehbaren Ausgang.

Im Zentrum der Ausstellung in der Galerie erstererster steht der Werkszyklus #WhiteCapitals. Dieser Zyklus wurde während seiner Entstehung für Frederic Writer zu einem sehr politischen und gesellschaftskritischen Projekt. Am Anfang der Auseinandersetzung stand für ihn lediglich die Intention eine Abstraktion des Reichstags in Berlin zu schaffen – einem monumentalen Bau, aufgeladen mit Geschichte.

Während der Arbeit an diesem Projekt beschlossen jedoch die Briten den Brexit, die Amerikaner wählten Trump zu ihrem Präsidenten und zahlreiche nationale Bewegungen in Europa erhielten zunehmenden Zulauf bzw. Zuspruch. Gleichzeitig – und im Gegensatz dazu – wurde in Deutschland von einem Ehepaar in Frankfurt aber auch eine pro-Europäische Bewegung jenseits der bestehenden Institutionen gegründet. Mit dem Resultat, dass sich über Wochen hinweg in zahlreichen deutschen und europäischen Städten zigtausende Menschen jeden Sonntag um 14:00 Uhr zusammenfanden, um für die Europäische Union und ihre Werte zu demonstrieren – trotz all ihrer vermeintlichen Schwächen.

Schritt für Schritt verwandelte sich die Idee einer Abstraktion des Reichstages so in ein viel größeres und weitreichenderes Projekt: Die Einbeziehung der führenden Nationen, Hauptstädte und Parlamente in Europa – und auch darüber hinaus – unter dem Namen:

# White Capitals

  • Alle Einzelwerke bilden ausschließlich die jeweiligen Parlamentsgebäude ab – als Manifestierung und Ausdruck für Demokratie sowie die Verantwortung der Bürger, diese auch mit Leben zu füllen.
  • Alle Aufnahmen wurden bei Sonnenaufgang gemacht – um die Idee zum Ausdruck zu bringen, das Veränderung jeden Tag stattfinden kann.
  • Alle Bilder wurden ausschließlich mit weißer Farbe gestaltet – um Unschuld und Verletzlichkeit zum Ausdruck zu bringen.
  • Alle Bilder wurden in einer Spachteltechnik ausgeführt, die auf den Betrachter der Eindruck erwecken kann, dass eine Menschenmenge weiße Fahnen vor den abgebildeten Parlamenten schwenkt – um so die Macht der Verbundenheit zu repräsentieren, die eine Regierung dazu zwingen kann, wirklich im Interesse des Volkes zu handeln.

Neben dem Werkszyklus #WhiteCapitals werden in der Ausstellung noch die beiden Werkszyklen #BetterLiving und #NotForgotten gezeigt. „In Zeiten eines wachsenden Populismus auf allen Ebenen des Lebens, war es mir wichtig, die Menschen mit diesen drei Werkszyklen zum Nachdenken anzuregen“, so Frederic Writer. „Gleichzeitig stellen die Arbeiten meine eigene Auseinandersetzung mit den sich stellenden Herausforderungen im gesellschaftlichen und privaten Kontext dar.“

 

Die Ausstellung läuft vom 5. bis 13. August und ist täglich von 10:00-18:00 in den Räumen der Galerie erstererster (Pappelallee 69, 10437 Berlin) geöffnet.

 

Ansprechpartner für Rückfragen und weiteres Bildmaterial:

Felix Stöckle
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