»Das blaue vom Himmel«

Einladung zur Ausstellungseröffnung am Freitag,
den 23.10, um 20 Uhr in der Galerie erstererster

Pappelallee 69, 10437 Berlin (U-Bhf Eberswalderstr.)

Gezeigt werden Fotografien aus dem Buch »Das Blaue vom Himmel«.
Die Bilder thematisieren den Themenpark Tropical Islands in Brandenburg.

Öffnungszeiten 21.10 bis 29.10 / 13 bis 20 Uhr
Kontakt: mail@flofischer.de | www.flofischer.de

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Das Blaue vom Himmel (Florian Fischer):
Kurz vor Weihnachten 2008 tauschte ich für sieben Tage und Nächte meine Berliner Wohnung gegen eine Teakholzliege im Tropical Islands. Gebannt von der Absurdität und Mannigfaltigkeit dieses Ortes, der so anschaulich gesellschaftliche Verhältnisse in verdichteter Form erkennen lässt, verbrachte ich den Jahreswechsel und viele weitere Tage und Nächte bei 26°C unter Palmen und Stahlhimmel. Mein Verhältnis zum Tropical Islands ist von Ambivalenz geprägt, die Faszination für den glückseligen, unterhaltenden Ort rivalisiert mit der Ablehnung des kulturlosen, entseelten Regenwaldimitats. Tropical Islands stellt eine reproduzierte Welt dar, die Fotografien davon sind Reproduktionen dessen — die Quadratur der Reproduktion. Ein zum Scheitern verurteilter Versuch etwas festzuhalten, das es nicht gibt.
Tropical Islands ist ein einmaliges, hybrides Gebäude, das sich irgendwo zwischen Themenpark und Erlebnisbad ansiedelt. Eine Symbiose aus künstlichen Sandstränden, Tapetenhimmel und tropischem Regenwald. Neben die optische Überfrachtung gesellt sich Grillengezirpe und Vogelgezwitscher aus getarnten Lautsprechern. Die Strandabschnitte bedienen sich in eklektizistischer Weise überlieferter Paradiesvorstellungen und nennen sich dementsprechend ›Südsee‹ und ›Bali-Lagune‹. Inmitten der Halle befindet sich ein Regenwald-Faksimile in utopischem Ausmaß – keine gefährlichen Schlangen oder anderes lebensbedrohendes Getier befindet sich dort, sollte doch ein aufblasbarer Hai zum Leben erwachen, gibt es in regelmäßigen Abständen Notrufsäulen. Die angsteinflößende weite Welt findet sich hier in verdichteter und gezähmter Form wieder. Dekoriert mit Nachbauten des ›Angkor Wat‹ Tempel und des ›Elephanta‹ Tempel ist selbst UNESCO Weltkulturerbe in nächster Nähe. Endlich, die Globalisierung hat jetzt auch den kleinen Mann erreicht, direkt vor der Haustür erhält er Einblick in das synthetische Paradies, in das hyperreale Konglomerat des Weltkulturerbes – lediglich als Plagiat.
Seit der industriellen Revolution wird die strikte Trennung von Freizeit und Arbeit perfektioniert. Eine am Leistungsprinzip orientierte Arbeitsstruktur steigert die Erholungsbedürftigkeit immens. An der ökonomischen Wachstumskurve der Freizeitbranche spiegelt sich dieser kompensatorische Aspekt wider. Und mehr noch, die säkularisierte Gesellschaft fordert eine sinnstiftende Freizeit ein, um den mythenlosen, entfremdenden Berufsalltag zu entlasten. Freizeit wird zu einem sakralen Erlebnis in den Kathedralen des 21. Jahrhunderts*. Die paradiesischen Erlebniswelten sind Kompen-sationsräume, vollkommener und geordneter als der Realraum. Der Verbraucher von morgen lebt in zwei Gebäuden: Im eisernen Käfig der wirtschaftlichen Notwendigkeit und im luxuriösen Schloss romantischer Träume und Genüsse.* Der erste Spatenstich im Tropical Islands ist nichts anderes als der Versuch, den ewigen Traum vom Paradies wahr werden zu lassen. Hinter allen Sehnsüchten verbirgt sich letztlich das Heimweh nach dem verlorenen Paradies. Und wie in jeder positiven Utopie lebt das Paradies als Insel weiter. *H. Opaschowski

 

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