»Magicolor«

In den Spiegel schauen, eine Zigarette anzünden, Zähne putzen, ein Brot schmieren, Schnürsenkel binden, Müll entsorgen, der Blick auf den Bürgersteig, abwaschen, Zeitung lesen, an der Supermarktkasse anstehen: Alltag.
Ein erheblicher Teil des Lebens wird von scheinbar marginalen Handlungen ausgefüllt. Handlungen, die das Leben quantitativ dominieren erscheinen belanglos, hingegen wird die Qualität einmaliger Handlungen oder solcher, die jenseits der Routine liegen, höher eingeschätzt. Kurz: Der Wert der Routine gibt sich geringer als der des Exzeptionellen. Der Versuch, dem Alltag zu entfliehen um das Leben zu genießen ist allgegenwärtig. Menschen reisen an entlegene Orte, in der Hoffnung der Bürde der Routine zu entkommen, die Perspektive zu wechseln oder Inspiration zu finden.

Das Projekt „Magicolor“ richtet den Focus auf genau diese Alltagshandlungen: Der Blick durch die Kamera kann nicht nur ein bewussteres Hinschauen, sondern auch eine neue Distanz zu den beschriebenen Tätigkeiten, sowie eine sensiblere Sichtweise auf das eigene Leben ermöglichen. Vielleicht entdeckt der Betrachter die Schönheit der Monotonie? Vielleicht empfindet er Lust dabei sich ganz genau im Spiegel zu betrachten?

Einundzwanzig Teilnehmer haben mit jeweils einer Einwegkamera 24 Stunden ihres Lebens fortlaufend im Stundentakt portraitiert. Die Aufnahmen entstanden unabhängig von den anderen Beteiligten an selbst gewählten Tagen und wurden anonym eingereicht.
Die Präsentation der Fotografien gewährt uns nicht nur einen intim, anonymen Einblick in verschiedene Lebenswelten, sondern lässt uns auch die unterschiedlichen Wahrnehmungen dieser Personen erahnen.
„Glaube nie, dass Du Dich in der Wirklichkeit des Anderen befindest. Mache Dich kundig, was die Worte in der Welt Deines Gegenübers bedeuten“ (Watzlawick, 1976)

Eröffnung, Ausstellung und Finissage:
22. Juni 2013
ab 19 Uhr