»Troubled Water«

Fotografien, Louisiana (2011, 2012)

Mobile Trailer und klaffende Wunden von Katrina, Gustav und Ike erinnern mich an Castorfs’ Bühnen, einzelne Menschen darin an “Warten auf Godot.” Ohne Auflehnung. Sie sind es gewohnt. Godot kommt nicht. 2010 hätte das Marker-Jahr werden sollen sich ökonomisch von den Folgen der vorangegangenen Hurrikane zu erholen. Das Geld steckt meistens noch unter den Kissen, nicht in einer Versicherung. Der Süden glaubt nicht an Regierungen und Versicherungen oder kann es sich schlichtweg nicht leisten. Nun gab es kein Geld mehr unter den Kissen - alles investiert in den Wiederaufbau. Auf dem Sommer 2010 lag die Hoffnung. Gute Saison – Wendejahr. Dann kam die Ölkatastrophe.

2012 gibt es mehr Auflehnung. Manche ziehen weg. Keine Energie mehr mit Kind und Kegel das erser im Haus zu haben, das bereits auf hohen Stelzen steht, wenn es sich an einem der Bayous (Wasserarme) reiht. Verseucht ist es nun auch noch. Öl ist immer wieder sichtbar. Man streitet, ob das Macondo Ölfeld doch noch permanent leckt. Es gibt nicht nur die Hurrikans, sondern auch tropische Stürme. Verheerend, wenn der Wind und Regen falsch steht. Auch den Shrimps könne man nicht mehr trauen. Ob sich die Austernbänke erholen? Währenddessen verliert Louisiana ca. ein Fußballfeld großes Stück Land per Stunde. Durch für Öl- und Gaspipelines in das sensible Ökosystem der Marschlandschaft gegrabene Kanäle tritt Salzwasser in die Süßwasserwiesen ein und führt zu Erosion. Noch weniger Schutz vor den Stürmen. Andere wollen bleiben. Schimpfen, sie wären mit der Verschmutzung des Mississippi und nun der Ölkatastrophe die Kloake Amerikas und werden auch genauso behandelt von “denen”. Aber sie lieben ihr Land. Hier sind sie aufgewachsen zwischen den Wasserarmen, dem Säuseln des Windes zwischen den Gräsern. Mit den Fischen, den Shrimps und Krabben, dem Wild auf dem Land. Hier musste niemand hungern während der Great Depression. Vom Land und dem Wasser in den Mund leben. Survivalists der frühen Tagen in den unbewohnbaren Sümpfen. Nun Survivalists in den Tagen industriellen Landraubes. Stolz sind sie.

Für den visuellen Essay zu den Folgen der Ölkatastrophe stand der Blues Pate.
Fotografien aus 2011 und 2012. Mit der Unterstützung von der VG Bildkunst.

Constanze Flamme, geboren in Nordfriesland, lebt und arbeitet in Berlin.
Nach 2 Semestern Ethnologie an der FU Berlin, Kommunikationsdesign
an der FH Potsdam und Fotografie an der Gerrit Rietveld Academie,
Amsterdam.

www.constanzeflamme.de

Die Ausstellung im erstererster ist eine temporäre Erweiterung
der Ausstellung bei uncommon place: www.uncommonplace.de

Vernissage
27.10.2012, 19 Uhr

Ausstellung
28.10. – 09.11.2012

Öffnungszeiten
17 – 20 Uhr (Mo geschlossen)
14 – 19 Uhr Sa/So

oder per Verabredung.
0163 2009368

zu den Öffnungszeiten “open studio”
Fotografen sind eingeladen auch eigene
Arbeiten zu bringen und zu diskutieren.

parallel zusehen bei: Uncommon Place - 24.10.12 – 3.2.13